Zwischen Opposition und Affirmation

Über Ostern veranstaltet ihr in Hamburg eine «Akademie» über die Zukunft der Tierbefreiungsbewegung. Zuerst einmal: Wer seid ihr bzw. was ist das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung und was sind eure Anliegen?

Wir sind ein Zusammenschluss von Organisationen und Einzelpersonen aus der Schweiz und aus Deutschland, die in der Tierbefreiungsbewegung und in der marxistischen Linken aktiv sind. Unser gemeinsamer Ausgangspunkt ist die Überzeugung, dass die Ausbeutung und Unterdrückung von Tieren und der arbeitenden Klasse abgeschafft und die Zerstörung der Natur beendet werden müssen. Wir sehen die marxistische Gesellschaftstheorie und -kritik als geeignetes Instrument, um die Ursachen für diese Ausbeutung und Zerstörung zu verstehen und Lösungsstrategien zu entwickeln.

Es geht bei der Osterakademie um die Zukunft der Bewegung. Ihr wollt der Bewegung eine Richtung geben. Fehlt ihr die Richtung oder geht sie in die falsche?

Die politische Wirkung von vereinzelten Protesten gegen verschiedene Formen der Tierausbeutung sind angesichts der Stärke der expandierenden Fleisch- und anderer tiernutzender Industrien nicht wirkmächtig genug. Es fehlt an Strategiedebatten darüber, wie man wieder mehr Schlagkraft bekommen könnte. Hinzu kommt, dass der Neoliberalismus bestimmte Forderungen, wie die nach Veganismus, längst integrieren und vermarkten kann. Kritik der Bewegung an diesem Phänomen bleibt weitgehend aus und man wiegt sich teilweise sogar in der Illusion, die Fleischindustrie schwächele wegen des Vegan-Booms. Dem ist natürlich nicht so, vielmehr ist sie bestrebt, selber davon zu profitieren. Wir wollen all diese Probleme auf den Tisch bringen und politische Perspektiven entwickeln. Dabei stellen wir zur Debatte, ob es an der Zeit ist, eine gemeinsame Kampagne gegen die Fleischindustrie auf die Beine zu stellen.

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Solidarität mit den SchlachthofbesetzerInnen

Solifoto als Beitrag zur dezentralen Aktionswoche in Solidarität mit den acht TierbefreiungsaktivistInnen, die im Jahr 2016 zwei Schlachthöfe von Deutschlands Geflügelfleischproduzenten Nummer 1 – Wiesenhof – besetzt haben und gegen die jetzt Prozesse am Laufen sind.

Hier gehts zur Solierklärung unseres Bündnisses Marxismus und Tierbefreiung.

Wir gegen Wiesenhof

Solidarität mit den acht SchlachthofbesetzerInnen von Bogen und Wietzen-Holte

„Wer im Stich läßt seinesgleichen, läßt ja nur sich selbst im Stich.“
Bertolt Brecht

Ende Februar und Anfang Mai wird acht Tierbefreiungs- und TierrechtsaktivistInnen aus ganz Deutschland vor dem Amtsgericht im bayrischen Straubing und vor dem niedersächsischen Landgericht Verden der Prozess gemacht. Ihnen wird „Sachbeschädigung“, „Nötigung“ und „Hausfriedensbruch“ vorgeworfen.

Solidarität kampagne gegen tierfabriken

Faktisch sitzen alle acht aber nicht wegen der Bagatelldelikte auf der Anklagebank, die ihnen zur Last gelegt werden, sondern wegen ihres Protests und Widerstands gegen die kapitalistische Ausbeutung und Tötung von Tieren durch Deutschlands Geflügel-Schlachter Nummer eins: die PHW-Gruppe. Das niedersächsische Unternehmen ist in der Öffentlichkeit besser bekannt unter dem Namen Wiesenhof, eine der PHW-Tochtergesellschaften und das Flaggschiff des Firmenimperiums der Kapitalistenfamilie
Wesjohann.

Blockaden und Besetzungen von Schlachtfabriken
Hintergrund der juristischen Verfahren sind zwei Aktionen des kollektiven zivilen Ungehorsams gegen den Wiesenhof-Konzern. Im Februar 2016 besetzen 30 TierbefreiungsaktivistInnen Baukräne und das Baubüro auf einer Baustelle in Bogen bei Straubing, verteilten Flyer und hängten Transparente auf. Dort sollte eine Hühnerschlachtfabrik wiederaufgebaut werden, die zuvor abgebrannt war. Sie ist Eigentum von Deutschlands führenden Geflügelfleischproduzenten. Sieben der 30 Beteiligten werden nun in Straubing dem Richter vorgeführt.

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Linker Gegenkultur eine Perspektive geben!

Melodie & Rhythmus ist ein Magazin für kulturelle und künstlerische Fundamentalopposition gegen die alle Lebensverhältnisse von Mensch, Tier und Natur beherrschende falsche Produktionsweise. Doch die Einnahmen reichen nicht, um die hohen qualitativen Inhalte und die hervorragende Arbeit der Redaktion auf Dauer zu finanzieren. Die Produktion von M&R musste vorerst eingestellt werden.

Um das einzige professionelle Magazin für Gegenkultur vor dem Untergang zu bewahren, sind wir als Linke gefordert. Aufgeben – das geht gar nicht in Zeiten des aufhaltsamen Aufstiegs rechter und neokonservativer Demagogen, ihrer Organisationen, Medien und Parteien. Fortschrittliche Kultur darf nicht weiter an den Rand gedrängt und zerstört werden. Wir rufen daher alle dazu auf, noch heute ein Perspektivabo für die Melodie & Rhythmus zu erwerben! M&R muss mit vereinten Kräften unterstützt und gerettet werden!

“Der Veganismus darf nicht dem Bürgertum überlassen werden”

Für seine Zeitung hat der Revolutionäre Aufbau die Tierrechtsgruppe Zürich zum Interview gebeten. Erschienen ist dieses in der Nummer 91 von Januar/Februar 2018 unter dem Titel „Ökologie: Über das richtige Leben im Falschen“. Die Tierrechtsgruppe Zürich spricht dabei nicht nur über die Wichtigkeit des Marxismus auf dem Weg zur Befreiung der Tiere und der Überwindung aller Ausbeutungsverhältnisse, sondern bezieht auch Position zu der Rolle der Moral im Klassenkampf, zum Thema Ökologie und dazu, warum der Veganismus mit dem Klassenkampf von unten einhergehen muss.

 

Interview Tierrechtsgruppe Zürich Aufbau Zeitung

 

Beginnen wir bei Grundlegendem: Der Rahmen eurer politischen Arbeit zu Tierbefreiung bildet der Marxismus. Könnt ihr die marxistische Perspektive, wie ihr sie in eurer Politik entwickelt, genauer ausführen?

Marx und Engels wollten Ausbeutung und Unterdrückung abschaffen, weshalb sie sich damit beschäftigten, welche Verhältnisse die Menschen in ihrer Geschichte zueinander und zur Natur eingehen. Die von den beiden entwickelte materialistische Geschichtsauffassung zeigt auf, dass sowohl die gesellschaftlichen Beziehungen und Einrichtungen (z.B. Lohnarbeit oder der Staat) als auch die Beziehung der Menschen zur Natur nicht gott- oder naturgegeben sind. Vielmehr sind diese Verhältnisse Resultat der menschlichen Praxis und nehmen in den verschiedenen geschichtlichen Epochen unterschiedliche Formen an, welche durch den Klassenkampf geprägt sind.

Dies gilt natürlich auch bezüglich der Stellung der Tiere in der gegenwärtigen Gesellschaft. Der barbarische Umgang mit Tieren in den Schlachtfabriken oder auf Pelzfarmen beruht nicht auf einer unveränderlichen Schöpfungs- oder Naturordnung. Er entspricht den kapitalistischen Produktions- und Klassenverhältnissen wie sie von Marx und Engels in ihrer Kritik der politischen Ökonomie analysiert wurden. Kurz gesagt sind die Tiere im Kapitalismus Waren und Produktionsmittel und damit wie die Lohnarbeiter bloss Mittel zum Zweck der Profitproduktion für die Kapitalisten. Zwar bestehen zwischen der Stellung der Tiere und der Stellung des Proletariats im kapitalistischen Produktionsprozess qualitative Unterschiede. Dies ändert jedoch nichts daran, dass nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch die Tiere durch die Bourgeoisie ausgebeutet werden.

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Interview mit dem Projekt Kritische Aufklärung

Neokonservative Politik wird heute auch mit diffamierenden Antisemitismusvorwürfen durchgesetzt. Verbale, manchmal sogar tätliche Attacken, Rufmordkampagnen, Medienembargos und Sanktionen gegen jüdische Antifaschisten und andere israelkritische Linke sind mittlerweile an der Tagesordnung. Dagegen will das Projekt Kritische Aufklärung (PKA) mit einer Konferenz am 10. Februar 2018 in Berlin Stellung beziehen: Mit Moshe Zuckermann, Rolf Becker, Esther Bejarano, Moshé Machover und Jackie Walker als Redner hat die Veranstaltung ein beachtliches internationales Format. Die Tierrechtsgruppe Zürich sprach für die sozialistische Zeitung vorwärts mit den Initiatoren. Das Interview erschien in der Ausgabe 43/44 vom 21. Dezember 2017.

Projekt Kritische Aufklärung Zur Zeit der Verleumder

 

Eine Konferenz zur «Zeit der Verleumder»

Bitte stellt Euer Projekt kurz vor. Wer seid Ihr und was ist Eure Intention?
PKA ist ein Zusammenschluss marxistischer Linker aus Deutschland und Israel, die grösstenteils seit Jahrzehnten in antifaschistischen Strukturen, Gewerkschaften etc. organisiert sind. Er wurde vergangenen Juli ins Leben gerufen und ist eine Gegenreaktion auf proimperialistische Tendenzen und andere Neigungen zum Rechtsopportunismus vor allem in der deutschen Linken.

Worum geht es bei Eurer Konferenz «Zur Zeit der Verleumder», die den Titel eines Gedichts von Erich Fried trägt? Warum braucht es eine «ideologiekritische Intervention gegen die Instrumentalisierung von Juden, Judentum und der jüdischen Katastrophe», wie es im Untertitel zur Tagung heisst?
Seit Deutschland sich wieder an Angriffskriegen beteiligt, läuft die Produktion von Legitimationsideologien auf Hochtouren. Was schon seit Beginn der Ära des Neoliberalismus in den USA von neokonservativen Denkfabriken vorangetrieben wird, verbreiten seit 1999 auch die ökonomischen Eliten und Regierungen des Rechtsnachfolgers des NS-Staates: Die Botschaft, dass Jugoslawien, Afghanistan, Syrien, Gaza, vielleicht morgen schon der Iran, nicht trotz, sondern wegen Auschwitz bombardiert werden müssen. Wer Einspruch erhebt und gegen diese ideologische Ausschlachtung des bisher grössten Menschheitsverbrechens opponiert, wird als «antisemitische Sau» durch die finstersten Niederungen der Medienlandschaft getrieben, um schliesslich von einer johlenden bellizistischen Hetzmeute «geschlachtet» zu werden. Dabei ist nicht einmal die haarsträubende ideologische Inflationierung und Entleerung des Antisemitismusvorwurfs – und das auch noch vor dem Hintergrund einer bedrohlichen Rechtsentwicklung und real weiterexistierenden, in Teilen der Welt auch noch zunehmenden Antisemitismus – das Schlimmste. Noch tragischer ist, dass ausgerechnet friedensbewegte jüdische Linke, darunter sehr viele Nachkommen von Holocaust-Überlebenden, gegenwärtig Hauptzielscheibe der – unappetitlicherweise häufig von deutschen Täterkindern und -enkeln − initiierten Hass-Kampagnen sind.

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Konferenz in Berlin: «Zur Zeit der Verleumder»

Am Samstag 10. Februar 2018 findet in Berlin die Konferenz »Zur Zeit der Verleumder«Eine ideologiekritische Intervention gegen die Instrumentalisierung von Juden, Judentum und der jüdischen Katastrophe statt. Die Tierrechtsgruppe Zürich dokumentiert an dieser Stelle den Aufruf und das Ankündigungsvideo zur Veranstaltung. In den nächsten Tagen veröffentlichen wir zudem ein Interview mit dem Projekt Kritische Aufklärung, dem marxistischen Zusammenschluss, welcher die Konferenz organisiert.

»Zur Zeit der Verleumder«

Eine ideologiekritische Intervention gegen die Instrumentalisierung von Juden, Judentum und der jüdischen Katastrophe

Mit Moshe Zuckermann, Rolf Becker, Esther Bejarano, Moshé Machover, Jackie Walker u.a.

Der Rechtstrend in der westlichen Welt hat bizarre Erscheinungsformen. Linke werden als »Nazis«, jüdische Antifaschisten als »Verräter« diffamiert. Bereits Anfang der 1980er-Jahre klagte der Dichter Erich Fried die Stigmatisierung jüdischer Linker als »rote Antisemiten« durch »Sprecher des Westens« an. Seine von den ersten Verwerfungen des neoliberal radikalisierten Kapitalismus geprägte Gegenwart beschrieb er als »Zeit der Verleumder«. Was damals mit wütenden Polemiken begann, ist heute zu einem Komplex aus Rufmordkampagnen und Sanktionen ausgewachsen, die aus den etablierten Parteien und AfD, von neokonservativen »Antideutschen«, »Antinationalen« und christlichen Fundamentalisten initiiert und von den hegemonialen Medien propagiert werden.

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Interview: »Tiere sollen keine Produktionsmittel sein«

In der Tageszeitung junge Welt ist am 12. Dezember 2017 ein kurzes Interview mit dem Bündnis Marxismus und Tierbefreiung erschienen, welches wir an dieser Stelle dokumentieren.

Bündnis verknüpft Marxismus und die Überwindung des Kapitalismus mit der Befreiung der Kreatur. Gespräch mit Daniel Werding

Interview: Christof Mackinger

Vor drei Jahren sind Sie mit dem Bündnis »Marxismus und Tierbefreiung« angetreten, um »eine theoretische und praktische Vereinigung« der marxistischen Linken und der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung voranzutreiben. In einem Thesenpapier haben Sie dies unlängst ausgeführt, und bei Ihrer kommenden »Osterakademie« in Hamburg wollen Sie die Diskussion vertiefen. Nun ist Marxismus vielen ein Begriff. Was ist unter Tierbefreiung zu verstehen?
Mit dem Begriff wird der Flügel jener sozialen Bewegung bezeichnet, die sich für ein anderes Verhältnis zu Tieren in der Gesellschaft einsetzt. Die Tierbefreiungsbewegung lehnt »Tierwohl« und den klassischen »Tierschutz« ab. Tierwohl ist eine Propagandavokabel der Industrie und der ihr wohlgesonnenen Staatsapparate. Sie meint, dass die Konzerne minimale Änderungen im Umgang mit Kühen, Schweinen usw. vornehmen, sich aber faktisch nichts Wesentliches ändert. Mit dem Tierschutz ist es ähnlich. Wir wollen aber nicht größere Käfige, kürzere Tiertransporte und das Ende der offenkundigsten Misshandlungen, sondern das Schlachten beenden und die Tiere befreien: »Artgerechte Haltung« oder »Nutzung« gibt es nicht. Tiere sollen keine Produktionsmittel sein und nicht wie Gratisproduktivkräfte behandelt, für Profit getötet und als Waren verhökert werden.

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Osterakademie des Bündnis Marxismus und Tierbefreiung

Osterakademie Bündnis Marxismus und Tierbefreiung

Das Bündnis Marxismus und Tierbefreiung organisiert vom 30. März bis 1. April 2018 in Hamburg ein Veranstaltungswochenende unter dem Titel “Die Zukunft der Bewegung – Tierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation”. Das Programm und weitere Infos finden sich auf www.osterakademie.tk. Hier im Folgenden das Mobi-Video und der Aufruf zur Osterakademie:

 

Die Zukunft der Bewegung

Tierbefreiung zwischen Opposition und Affirmation

Die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung ist gegenwärtig mit mindestens drei Herausforderungen konfrontiert:

Trotz umfangreichen, vielfältigen Aktivismus und vereinzelter Erfolge gerät sie im Kampf mit den politischen und ökonomischen Profiteuren der Tierausbeutung zusehends ins Hintertreffen. Die Fleisch- und andere Tierindustrien blühen, ihre willigen Vollstrecker in den Staatsapparaten sorgen für politische und ideologische Rückendeckung und die entsprechende Kultur feiert – wie etwa die Pelzmode – fröhliche Urständ. Dennoch führt die »Bewegung« keine strategischen und organisatorischen Diskussionen, sondern hält am Eingeübten und einst Bewährten fest. Unsere Proteste vereinzeln, die politische Wirkung versiegt, noch bevor sie sich entfalten könnte. Zu jedem Zirkus eine Demo, vor jedem Laden eine Kundgebung, zu jedem Thema eine Kampagne – seien sie auch noch so aussichtslos und die Beteiligungen gering.

Gleichzeitig greifen etablierte Institutionen, wie z.B. Staatsapparate, Parteien, Stiftungen, Zeitungen, Universitäten usw., die verschiedenen Forderungen einzelner Bewegungsakteure auf. Dies erscheint zunächst positiv. Mit dieser Entwicklung ist allerdings auch die Gefahr der politischen Neutralisation verbunden. Ob Fortschritt oder nicht – die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reagiert darauf bislang überwiegend unkritisch affirmativ. Hauptsache »aktiv für die Tiere« lautet scheinbar die Devise. Dabei haben etwa die Heinrich-Böll-Stiftung oder die Linkspartei keineswegs per se die Absicht, etwas für die Tiere oder die Tierbefreiungsbewegung zu tun. Sie verfolgen ihre eigenen Interessen, für deren Durchsetzung politische Bewegungen und AktivistInnen bisweilen eher nützliche IdiotInnen statt BündnispartnerInnen sein sollen. Ganz zu schweigen von den social-media-affinen Ich-AGs und NGOs, für die Tiere und das Mitleid mit ihnen in erster Linie eine lukrative Geschäftsidee sind. Auch die vegane Sub- und Gegenkultur wird durch Unternehmer wie Attila Hildmann, mit jedem entpolitisierten Konsumfest und jeder Konzern-Kooperation Schritt für Schritt dem bürgerlichen Lifestyle preisgegeben.

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Die Mefa 2017 – Innenansichten

Am vergangenen Samstag demonstrierten am Claraplatz in der Basler Innenstadt rund 90 AktivistInnen gegen die größte und wichtigste Fachmesse der Schweizer Fleischindustrie, die Metzgereifachausstellung (Mefa), die nur einige hundert Meter entfernt in den Basler Messehallen ihre Tore für fünf Tage öffnete.

Die Mefa ist, so verkündet der Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands (SFF), Ruedi Hadorn, im Editorial der vom SFF publizierten Schweizerischen Metzgerzeitung, „der Branchentreffpunkt schlechthin“ für die Unternehmen der gesamten Produktionskette. Die Vertreter von rund 90 Betrieben kommen alle zwei Jahre dorthin, um Kontakte zu schließen, ihre Waren anzupreisen und zu verkaufen, junge Arbeitskräfte zu rekrutieren, oder schlicht um Reklame für ihre Unternehmen und Produkte zu machen.

Auf dem Weg zur Messe müssen die BesucherInnen zunächst das sogenannte Metzgerstübli passieren, das von den OrganisatorInnen als eines der „Highlights“ beworben wird. Dabei handelt es sich doch um ein gewöhnliches Bierzelt nur ohne Zeltdach. Traditionsbewusst dekoriert stehen Tische dicht gedrängt in einer Vorhalle, an deren Kopfende sich eine kleine Bühne für Preisverleihungen und Live-Musik befindet. Bereits früh morgens erfüllt der Geruch diverser Fleischgerichte den Saal. Trotz des diesjährigen Mottos „Metzger für Metzger“ gibt es im Stübli allerdings auch vegetarische Pizza. Gegen Mittag ist die Hälfte der Tische bereits besetzt. Saturiert aussehende Männer in ihren 50-ern in grauen Anzügen und Familien mit starken regionalen Dialekten dominieren das Bild.

Die ersten BesucherInnen der Ausstellung scheinen sich allerdings fürs Erste nicht sonderlich für das Metzgerstübli oder die Auslage an den zumeist simpel gehaltenen Ausstellungsständen zu interessieren. Die Meisten sammelten sich am Tresen der Pacovis AG. Dort ging es trotz (oder wegen?) der frühen Tageszeit recht feucht fröhlich zu: Bier und Wein für die Herren, Sekt für die Damen, dazu ein munteres Sprüchlein und Gelächter. Die Pacovis AG, die sich als „innovativster Anbieter von Verpackungs- und Verbrauchsmaterial sowie von Gewürzen und Zusatzstoffen für lebensmittelverarbeitende Betriebe“ der Schweiz beschreibt, warb unterdessen an ihrem modern gestalteten Stand damit, dass sie „Feins vom ganze Tier“ anzubieten hat. Mit anderen Worten, die Tiere würden von der Nase bis zum Schwanz („nose-to-tail“) verarbeitet. Was als besonders „ressourcenschonend“ daherkommt, ist für die Tiere ein Euphemismus. Die konkrete Konsequenzen dieser scheinbar ökologischen Verarbeitungsmethode für die Tiere konnte man bei der Mefa an einer eigens vorbereiteten Auslage betrachten (s. Bild).

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